Meinungsbeitrag zum Heimathafen PAD

 Nur wer sich noch an die historischen Fakten erinnert und seine Schlüsse daraus zieht, kann die Gegenwart verstehen und beurteilen und die Zukunft richtig und vor allem vorurteilsfrei planen. Das gilt für die regionale wie überregionale Politik ebenso, wie für große Unternehmen und richtungsweisende Bauwerke. Und das gilt erst recht für unseren Flughafen Paderborn-Lippstadt, der viele Höhen und Tiefen durchlaufen musste, der Fluggastrekorde und dramatische Rückgänge erfuhr und der ganz aktuell wieder in den Schlagzeilen steht: Die Kosten laufen aus dem Ruder, jahrelanger ruinöser Wettbewerb der Nachbarairports  Kassel-Calden und Dortmund zeigt Wirkung. Kurzum: Der Flughafen Paderborn ist in seiner Existenz gefährdet, so ziehen Flughafenchef Marc Cezanne und Landrat Manfred Müller in einem Brandbrief eine ernüchternde Bilanz. Es sei denn, die Politik rückt die Rahmenbedingungen für Paderborn endlich wieder gerade.

Gefordert werden die Aufnahme Paderborns – aber auch anderer kleiner Flughäfen - in das Abrechnungsregime der Deutschen Flugsicherung (DFS). Dieses würde allein bei uns auf einen Schlag eine Entlastung von 1,5 Millionen Euro bringen. Weiter wird an die Koalitionsvereinbarung zwischen SPD und CDU erinnert, die eine Beteiligung des Bundes an den gestiegenen Kosten der hoheitlichen Luftsicherheitskontrollen vorsieht. Die wichtigste Forderung aber ist die Sicherung der Flughafenstandorte und des zukünftigen Kapazitätsbedarfes durch die Luftverkehrskonzeption 2030.  Demnach soll jeder Flughafen die für sein eigenes Einzugsgebiet relevanten Drehkreuze, Linienverbindungen sowie touristische Volumenziele anbieten. Auch hier wirkt sich wettbewerbsverzerrendes Konkurrenzdenken und Subventionierungen der Ticketpreise und das Buhlen um Flugreisende und neue Fluglinien existenzgefährdend für kleinere Airports aus. Zahlen muss solch eine auch ökologisch bedenkliche Entwicklung zumeist der Steuerzahler.

Selbst ein über viele Jahre nachweislich gut wirtschaftender und ideenreicher Airport wie Paderborn reißt sich irgendwann die Flügel aus, wenn solche Wettbewerbsverzerrungen, obwohl jahrelang bekannt und geduldet, nicht endlich abgebaut werden. Ich bin deshalb generell beim Thema der Flugsicherungskosten voll auf der Linie unseres Airports Paderborn-Lippstadt. Dass es inzwischen keine Unterscheidung mehr in landesbedeutsame und regionalbedeutsame Flughäfen mehr gibt, ist der NRW-Koalition von CDU und FDP zu verdanken. Aber jetzt müssen weitere Taten in Berlin und im Rahmen der Verkehrsministerkonferenz folgen!

Als am 10. September 1971 nach fünfjähriger Planungsphase der „Verkehrslandeplatz Paderborn-Ahden“ offiziell in Betrieb genommen wurde, hat wohl niemand geahnt, welche Bedeutung der Airport einmal für Paderborn und die ganze Region Ostwestfalen-Lippe haben würde. Waren es anfangs Visionäre, wie Heinz Nixdorf, und mit ihm die Unternehmer Benteler und Welle, die mit ihrem Engagement den Grundstein legten, vollzogen Nachbarkommunen und Kreise zehn Jahre später den einzig richtigen Schritt: Sie arbeiteten Hand in Hand und wurden Gesellschafter am Flughafen und  unterstrichen mit diesem Vertrag, dass sie über die lokale Brille hinausblicken, gemeinsam handeln und finanzielle Risiken tragen. Das war, so wird man es aus heutiger Sicht nicht leugnen können, das erste große gemeinsame ostwestfälische Wirtschafts- und Infrastrukturprojekt. Das war und ist ein wichtiger Standortvorteil für die gesamte Region, sowohl für die Wirtschaft als auch für die Tourismusindustrie: kurze Wege zum Airport und von dort zu den Drehkreuzen oder direkt zu den touristischen Zielen. Auch das dürfte bei der zurzeit sehr emotional geführten CO2-Debatte eher für die kleinen Flughäfen sprechen.

Die alles entscheidende Frage dürfte jetzt sein, ob die Politik es schafft, den Rahmen neu abzustecken und ob die die Gesellschafter weiter bei der Stange bleiben. Ist eine solche Infrastruktur erst einmal zerstört, gibt es kein Zurück mehr. Für mich ist die Frage, ob man den Flughafen Paderborn-Lippstadt noch haben will, also ein klares Bekenntnis, von existenzieller Bedeutung. Denn dann müssten, wie schon in den Anfangsjahren, auch Unternehmen wieder stärker mit eingebunden und in die Pflicht genommen werden. Da hört die Verantwortung eben nicht an den Kreisgrenzen auf, das ist eine Aufgabe für die gesamte Wirtschaftsregion OWL.

Wenn jetzt, wie geplant, eine neue ICE-Strecke von Bielefeld nach Berlin gebaut werden sollte, sollten wir nicht jammern darüber, dass Paderborn bahntechnisch wieder leer ausgeht, sondern wir sollten uns für OWL freuen, wenn das klappt. Der zukunftsfähige Flughafen im Kreis Paderborn und ein großer Schub für die Bahn in Bielefeld: So macht eine Region sich fit für die Zukunft. Dafür sollten sich in ihrem Netzwerk alle einsetzen – Politik, Kreise, Kommunen und Wirtschaft. Wie im September 1971, als mutige Unternehmer auf den neuen Airport setzten.

Foto: © Thorsten Schneider